Dr. Johann Daniel Gerstein


Veröffentlichungen zum Thema Bewerbungsstrategien

„Insiderwissen Bewerbung“

In diesem Buch habe ich gemeinsam mit Dr. Gotthard Schubert meine Erfahrungen aus 12-jähriger Tätigkeit als Outplacementberater und Lehr-beauftragter an der FH München in Form eines verständlichen Leitfadens mit Beispielen veröffentlicht.

Hanser Verlag 1998 € 24,00 2. Aufl. 2000 (zur Zeit leider vergriffen)
 

 

„Richtig Bewerben“

In diesem Führer wird in Kürze dargestellt, was bei einer Bewerbung zu beachten ist.

Er gibt Anleitungen zur Erarbeitung der vier entscheidenden Säulen jeder Bewerbungskampagne, nämlich

• Lebenslauf
• Bewerbungsbrief
• Bewerbungsmappe
• Vorstellungsgespräch

Zu jeder Säule gibt es Beispiele. Neu eingeführt wird der Begriff des Teaser Effektes, der in allen Phasen einer Bewerbung von entscheidender Bedeutung ist.

Zusätzlich wird in einem Anhang auf Besonderheiten bei der Abfassung eines amerikanischen Lebenslaufes mit Muster hingewiesen. Außerdem bekommt der Leser Hinweise über eine Bewerbung mit Hilfe einer qualifizierten Outplacementberatung und zum richtigen Verhalten beim Antritt einer neuen Stelle.

Das Pocket Power Buch ist im April 2006 im Rahmen der Reihe Pocket Books im Hanser Verlag erschienen und kostet  € 5,90.
ISBN: 3-446-40556-9

Rezension von Radetzky

Interview zur Neuerscheinung

Auszug aus dem Weilheimer Tagblatt vom 29.5.2006

"Jeder Mensch ist, hat und kann etwas Besonderes"

Neues Buch über Bewerbungsstrategien

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt müsste nicht abschrecken, meint Dr. Johann Daniel Gerstein, Lehrbeauftragter für Bewerbungsstrategien an der Fachhochschule (FH) München, der auch in Seeshaupt wohnt. Gerstein unterrichtet eine eigene Bewerbungsmethode an der FH und hat dazu jetzt auch ein Buch unter dem Titel "Richtig bewerben" herausgebracht - trotz der Flut an Büchern, die es zum Thema schon gibt. Warum, das verriet er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Bücher über Bewerbungen gibt es en masse. Wozu noch eines?

Dr. Johann Daniel Gerstein: Weil mich das Thema seit 1988 brennend interessiert. Aus meiner langjährigen Erfahrung als Lehrbeauftragter für Bewerbungsstrategien an der FH München weiß ich, dass viele Menschen nicht arbeitslos wären, würden sie sich nur vernünftig bewerben. Viele lesen die falschen Bücher oder sie lesen gar nichts. Einfach viele Bewerbungen schicken - das nützt nichts.

Was ist an Ihrem Buch denn anders oder sogar besser?

Gerstein: Da antworte ich nicht so gerne, weil ich die anderen Bücher nicht schlecht machen will. Es gibt ja viele gute. Aber eine gute Bewerbung muss sich auf das Wesentliche beschränken. Und das tun viele dicke Bücher schon mal nicht.

Die verwirren eher?

Gerstein:  Ja, sie verwirren. Und dann fasst der Leser den Inhalt nur halb auf und beginnt, Fehler zu machen.

Ihr Buch ist dagegen sehr kurz. Ist das, was drinsteht, das Wesentliche?

Gerstein: Es ist ein kurz gefasstes Buch, das man schnell durcharbeiten kann, zum Beispiel in fünf Doppelstunden an der FH. Ich traue mir zu, die Studenten in dieser Zeit dazu zu bringen, einen vernünftigen, ansprechenden Lebenslauf zu schreiben, sich richtig einzuschätzen und sich nicht auf Stellen zu bewerben, für die sie nicht die nötigen Voraussetzungen mitbringen.

Was sind denn Ihrer Meinung nach die größten Mankos bei Bewerbungen?

Gerstein: Das fängt bei den einfachsten Dingen an: der Orthographie zum Beispiel. In jeder Bewerbung finden sich leicht zwei orthographische Fehler. Das wirkt entweder so, als sei es dem Bewerber nicht so wichtig oder er sei schlampig. Orthographische Fehler übersieht jeder ganz leicht. Deshalb empfehle ich, die Texte immer gegenlesen zu lassen.

Das ist aber weder der Schwerpunkt in Ihrem Buch noch ein Unterschied zu anderen Büchern ...

Gerstein: Eine gute Bewerbung muss das Gegenüber ansprechen. Und man muss wissen, wie das geht. Ich finde - und das steht in meinem Buch -, der Bewerber muss klar machen können, was er kann, was er ist und was er will. Es braucht einen Teaser - das ist ein Begriff, den ich neu eingeführt habe: Jeder Mensch ist, hat und kann etwas Besonderes. Sich darüber mal Gedanken zu machen ist zwar nicht ganz einfach, aber es lohnt sich. Diese Botschaft muss er rüberbringen. Darauf kommt es an.

Und das vermissen Sie in anderen Büchern zum Thema?

Gerstein: In anderen Büchern wird das nicht so stringent verfolgt, wie ich es tue. Oder es fehlt an Anleitungen.

Haben Sie Rückmeldungen zu Ihrer Methode, ihrem Unterricht bekommen?

Gerstein: Rückmeldungen zum Buch noch nicht - es ist ja erst seit knapp einem Monat auf dem Markt. Bis es gelesen, beherzigt, danach gearbeitet wird und dann Erfolge zeitigt, werden einige Wochen oder Monate vergehen. Aber Erfolge habe ich seit über einem Jahrzehnt mit der Methode an sich. Und, wenn Sie mir die Bemerkung erlauben: Darauf bin ich auch ein wenig stolz.

Fragen: Dorothea Treder


Auszug aus:

"Das ganze Leben ist ein Test"

Eine Serie der Süddeutschen Zeitung

Wer bin ich, was kann ich, was will ich ?

Bei der Bewerbung gilt es, die 30-Sekunden-Hürde zu nehmen und dann beim Vorstellungsgespräch zu überzeugen.
 

SZ: Sie helfen Arbeitssuchenden, einen neuen Job zu finden. Braucht man heute einen Bewerbungstrainer?

Gerstein: Man kann sich auch ohne professionelle Hilfe bewerben. Doch der Arbeitsmarkt hat sich stark verändert. Auf eine Stellenanzeige bewerben sich heute 500 und mehr Kandidaten. Die meisten Personalchefs nehmen sich für eine Bewerbung 30 Sekunden Zeit, bevor sie entscheiden, auf welchem Stapel die Bewerbung landet: Uninteressant“ oder „Einladen zum Gespräch“. Die Bewerbung muss also den 30-Sekunden-Filter überleben.

SZ: Wie nimmt man diese Hürde?

Gerstein: Viele Personaler ärgern sich darüber, dass Bewerber die Stellenanzeigen nur oberflächlich lesen. Immer wieder erhalten sie Post von Leuten, die für die ausgeschriebene Stelle nicht qualifiziert sind. Bevor man sich an den Schreibtisch setzt, sollte man drei Fragen beantworten können: Wer bin ich, was kann ich, was will ich?

SZ: Wie individuell darf die Bewerbungsmappe sein?

Gerstein: Es gibt eine Regel. Die gilt für die Bewerbungsmappe, das Photo und die Kleidung: lieber ein Tick zu konservativ als ein Tick zu ausgefallen. Das gilt auch für den Kreativ-Bereich.

SZ: Fremdsprachenkenntnisse, Auslandsaufenthalte, Praktika werden heute vorausgesetzt. Was ist mit Leuten, die diese Qualifikationen nicht vorweisen können. Müssen sie ihren Lebenslauf frisieren, um eine Chance zu haben?

Gerstein: Der oberste Grundsatz für eine Bewerbung lautet: Wahrheit, nichts als die Wahrheit. Natürlich können Sie angeben, dass Sie Schulsprecher waren oder eine Theatergruppe geleitet haben. Das sind Dinge, die keiner wirklich überprüfen wird. Doch was nutzt es Ihnen? Sie ergattern eine Position, der Sie womöglich nicht gewachsen sind? Außerdem ist es ziemlich peinlich, wenn Sie beim Lügen erwischt werden. Personalchefs testen im Bewerbungsgespräch ganz gerne die Fremdsprachenkenntnisse und stellen die Fragen auf Spanisch.

SZ: Personaler fordern, dass die Bewerber das Unternehmen kennen. Viele verschicken aber an die hundert Bewerbungen – zu viele, um sich jedes Mal eingehend zu informieren.

Gerstein: Personaler eines Chemiekonzerns wollen nicht lesen „Ich bewerbe mich bei Ihnen , weil ich Chemie studiert habe“. Das reicht nur für ein Schülerpraktikum. Sie erwarten: „Einem Artikel im Wirtschaftsteil der SZ entnehme ich, dass Sie beabsichtigen, Ihr Ostasiengeschäft weiter auszubauen“. Umsatz, Gewinn, Mitarbeiterzahl, die wichtigsten Produkte oder Serviceleistungen sollten Sie kennen. Spätestens 14 Tage vor einem Vorstellungsgespräch sollten Sie regelmäßig den Wirtschaftsteil lesen, damit Ihnen aktuelle Informationen über Ihren potentiellen Arbeitgeber nicht entgehen.

SZ: Welche Regeln sollten man beim Vorstellungsgespräch beachten?

Gerstein: Reden Sie den Interviewpartner mit Namen an, setzen Sie sich erst, wenn Sie dazu aufgefordert werden, fragen Sie nicht nach Tee oder Wasser, wenn Ihnen Kaffee angeboten wird, verschränken Sie nicht die Arme, unterbrechen Sie Ihr Gegenüber auf keinen Fall, beantworten Sie die Fragen möglichst knapp, halten Sie permanenten Blickkontakt. Das sind die wichtigsten Regeln.

SZ: Wie wichtig ist das Aussehen ?

Gerstein: Sehr wichtig. Beim Vorstellungsgespräch geht es nicht nur um Fachliches. Hier zählt vor allem das Erscheinungsbild, die Kleidung, die Körpersprache. In den ersten drei Minuten fällt die Entscheidung.

SZ: Haben es schöne Menschen leichter?

Gerstein: Jein. In erster Linie geht es um Ausstrahlung, Auftreten, Körperhaltung. Das hat mit Schönheit nichts zu tun. Wenn allerdings zwei Frauen mit der gleichen Qualifikation um eine Stelle konkurrieren, wird die Schönere wahrscheinlich gewinnen. Bei Männern kann das umgekehrt sein.

SZ: Was sollte man anziehen?

Gerstein: Ziehen Sie an, worin Sie sich wohlfühlen, aber nicht die ausgebeulte Jeans und das verwaschene T-Shirt. Anzug, Hemd und Krawatte fallen positiv auf. Wenn Sie jedoch kein Anzugträger sind, dann kaufen Sie sich auch keinen für das Bewerbungsgespräch. Der Personalchef sieht sofort, dass Sie zum ersten Mal einen Anzug tragen. Wenn zu Ihrer Persönlichkeit ein Drei-Tage-Bart oder ein Ohrring gehören, dann erscheinen Sie auch so zum Vorstellungsgespräch. Die Chancen, den Job zu bekommen, sinken. Aber Sie werden sich in einer Firma, die sich an solchen Äußerlichkeiten stößt, auch nicht wohlfühlen. Für Frauen gilt dasselbe: Kostüm und Bluse sind nur dann vorteilhaft, wenn Sie zu Ihnen passen.

SZ: Mit welchen Fragen muss man im Vorstellungsgespräch rechnen?

Gerstein: Ein Personaler erwartet von einem Bewerber, dass er seine Stärken und Schwächen kennt, dass er klare berufliche Zielvorstellungen hat, dass er seine Zukunft aktiv plant. Dementsprechend sind auch die Fragen: Warum suchen Sie eine neue Stelle, was wollen Sie in fünf Jahren beruflich erreicht haben, warum sollen wir Sie einstellen. Hinzu kommen Fragen zur Persönlichkeit und Freizeitgestaltung: Wie reagieren Sie, wenn Sie ungerecht behandelt werden, wie gehen Sie mit Kritik um, welches Theaterstück haben Sie zuletzt gesehen?

SZ: Was ist, wenn der Personalchef unzulässige Fragen stellt, etwa nach Schwangerschaft, Heirat, Gewerkschaftszugehörigkeit oder Religion?

Gerstein: Dann sind Notlügen vom Gesetzgeber aus gesehen erlaubt. Aber Sie sollten es sich ohnehin überlegen, ob Sie wirklich für jemanden arbeiten wollen, der Ihre Privatsphäre nicht respektiert.

Interview: Heike Littger